Gastfamilienstudie 2025

Gastfamilienstudie 2025

Interkultureller Austausch lebt vom Engagement der Gastfamilien. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Menschen für dieses Engagement zu gewinnen. Was motiviert Menschen, Gastfamilie zu werden? Welche Hürden halten sie davon ab? Und wie können noch mehr Familien für dieses wichtige Engagement gewonnen werden?

Diesen Fragen ist Experiment e.V. gemeinsam mit Dr. Markus Gamper von der Universität zu Köln im letzten Jahr in einer bundesweiten Studie mit mehr als 1.000 Befragten nachgegangen.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Ideelle Motive stehen klar im Vordergrund. Sowohl aktive als auch potenzielle Gastfamilien sehen den größten Mehrwert im interkulturellen Austausch, in mehr Toleranz, Perspektivwechsel und einem Beitrag zu einem friedlichen Miteinander.
  • Wohnraum ist die größte praktische Hürde. Ein freies Zimmer erhöht die Wahrscheinlichkeit, Gastfamilie zu werden, deutlich. Entsprechend sind Gastfamilien in ländlichen Regionen häufiger als in Großstädten vertreten.
  • Die finanzielle Situation spielt vor allem als Eintrittshürde eine Rolle. Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.000 Euro engagieren sich deutlich seltener als Gastfamilie. Oberhalb dieser Einkommensgrenze verliert der Faktor an Bedeutung.
  • Familien mit Migrationsgeschichte sind bislang unterrepräsentiert, obwohl sie wertvolle interkulturelle Erfahrungen einbringen könnten. Die Studie empfiehlt gezielte Strategien, um diese Zielgruppe stärker anzusprechen.
  • Viele Sorgen potenzieller Gastfamilien sind größer als die tatsächlichen Erfahrungen aktiver Gastfamilien. Befürchtungen hinsichtlich Privatsphäre, kultureller Konflikte oder Alltagsbelastung erweisen sich in der Praxis meist als weniger gravierend.
  • Eigene Auslandserfahrung hat wenig Einfluss. Die persönliche Auslandserfahrung hat keinen signifikanten Einfluss auf die Entscheidung, Gastfamilie zu werden.

Die Studie empfiehlt unter anderem, Informations- und Beratungsangebote auszubauen, finanzielle Belastungen transparenter zu kommunizieren, neue Wohnmodelle für Gastfamilien zu entwickeln, mehr Entlastung bei Verwaltungsaufgaben zu leisten und die gesellschaftliche Wertschätzung und Anerkennung für Gastfamilien zu stärken.

AJA-Geschäftsführer Jan Schütte sagt dazu: „Dazu sind wir bereits auf einem guten Weg. Mit der AJA-Gastfamilienkampagne, die wir im letzten Jahr gestartet haben, möchten wir das ehrenamtliche Engagement von Gastfamilien stärker anerkennen und sichtbar machen. Mehr als 100 Politiker*innen aus Europa, Bund, Ländern und Kommunen unterstützen dies, indem sie als Botschafter*innen Gastfamilien ihren Dank und Wertschätzung aussprechen. Mit Einladungen in den Bundestag und in verschiedene Landtage konnten wir einen Dialog zwischen Gastfamilien und der Politik initiieren und strukturelle Hürden für Gastfamilien sowie politische Rahmenbedingungen ansprechen. Dafür liefert die Gastfamilienstudie zusätzliche wertvolle Daten.

Ganze Studie lesen: Experiment Gastfamilien-Studie

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