Besuch im Bundestag und Gespräch mit MdB Aydan Özoğuz (SPD)

Besuch im Bundestag und Gespräch mit MdB Aydan Özoğuz (SPD)

Gastfamilien Gastfamilienkampagne

Auf Einladung der Bundestagsabgeordneten und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags Aydan Özoğuz (SPD) besuchten am 10. November mehr als 50 Gasteltern mit Gastkindern das Regierungsviertel in Berlin. Auf dem Programm standen ein Vortrag auf der Gästetribüne, ein persönliches Gespräch mit der Abgeordneten sowie ein Besuch der Reichstagskuppel.

Gastfamilie zu sein ist ein anspruchsvolles Ehrenamt. Familien öffnen für ein halbes oder ganzes Jahr ihr Zuhause und begleiten eine Austauschschülerin oder einen Austauschschüler während deren Zeit in Deutschland. Mit der Einladung in den Bundestag sollte dieses besondere Engagement gewürdigt werden.

Aydan Özoğuz, die auch den Ausschuss für Sport und Ehrenamt leitet, betonte im Gespräch die große Bedeutung des internationalen Schüleraustauschs für die Demokratie: Austausch schaffe Begegnung, baue Brücken und fördere gegenseitiges Verständnis. Als Patin des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP), eines Stipendienprogramms für den deutsch-amerikanischen Schüleraustausch, weiß sie, wie herausfordernd es derzeit ist, Gastfamilien zu finden. Umso mehr drückte sie den Gastfamilien ihren Dank und ihre Wertschätzung aus.

Im anschließenden Austausch wurde diskutiert, welche Hürden die Politik abbauen kann, um mehr Menschen für ein Ehrenamt als Gastfamilie zu gewinnen. So wurde von einigen Teilnehmenden beklagt, dass die Beschaffung von Visa und Aufenthaltsgenehmigungen aktuell einen hohen bürokratischen Aufwand für die Gastfamilien darstellt.

Der Bundestagbesuch war Teil der AJA-Gastfamilienkampagne „Offene Türen, offene Herzen – Austausch braucht Gastfamilien“, deren Botschafterin Aydan Özoğuz ist. Anne von Fircks, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch sagte dazu: „Wir danken Aydan Özoğuz herzlich für die Einladung in den Bundestag und für ihr Engagement für den internationalen Schüleraustausch. Ihr Einsatz zeigt, wie wichtig politische Unterstützung für das Ehrenamt der Gastfamilien ist.“

Eine Großfamilie als Gastfamilie

Eine Großfamilie als Gastfamilie

Gastfamilien

Familie Herzog aus Kamenz in Sachsen ist eine Großfamilie mit vier Erwachsenen aus mehreren Generationen und drei Kindern. Seit 2008 waren sie fünfmal Gastfamilie. Die Gastkinder kamen aus Uruguay, Argentinien und Aserbaidschan. Aktuell wohnt Edu aus Mexiko für bei ihnen. Er ist für einen Schüleraustausch nach Deutschland gekommen. Gastfamilie sind sie unter anderem aus Neugier geworden.

Gastmutter Sunny erklärt es so: „Wir haben gern Gäste in unserem Haus, warum also nicht junge interessierte Menschen aus der Welt? Es ist interessant, über andere Kulturen und Bräuche etwas zu lernen. Besonders schön war, dass alle Familien der Gastkinder uns auch besucht haben – genauso, wie wir gern zu Gast in ihren Ländern waren. Wir halten gemeinsam einen engen Kontakt. Es sind sehr liebe und aufgeschlossene Menschen.“

Einen Tipp für potentielle Gasteltern hat sie auch: „Seid offen für alles! Wenn ihr bereit seid, ein fremdes Kind als euer eigenes anzusehen, dann werdet Gasteltern! Für uns alle waren die Gastkinder eine echte Bereicherung.“

Fotos: Franz Josef

Raus aus dem Alltagstrott

Raus aus dem Alltagstrott

Gastfamilien Gastfamilienkampagne

Hallo! Wir sind Familie Schreyer aus Bayern: Uli und Sarah mit Aurelia (18) und Fiona (16). Ich (Sarah) war selber vor 30 Jahren Austauschschülerin und damals sogar zweimal Gastschwester. Jetzt ist die nächste Generation dran:  Aurelia hatte sich für ein Austauschjahr in Kanada mit YFU (Youth for Understanding) beworben und wir haben uns entschieden, in dieser Zeit eine Schülerin bei uns aufzunehmen, um einem jungen Menschen ein Austauschjahr zu ermöglichen und selber von dieser Erfahrung zu profitieren. Zuerst war Damarys aus Ecuador da, die aber nach drei Monaten zurückkehrte, weil sie überraschend einen Medizin-Studienplatz in den USA erhielt. Mit Damarys klappte das Zusammenleben super, deshalb wollten wir unsere Gastfamilien-Erfahrung gerne fortsetzten. Im Januar kam Mia aus Mexiko, eigentlich für ein halbes Jahr, aber sie fragte nach kurzer Zeit, ob sie auf ein ganzes Jahr verlängern könnte. Das freute uns natürlich und nach kurzer Überlegung und Rücksprache mit Aurelia in Kanada, die von dieser Idee gleich ganz begeistert war, waren wir einverstanden. Bevor Aurelia aus Kanada zurück kam, zogen wir im Haus noch zwei Zimmer um und jetzt sind wir zu fünft!

Natürlich bedeutet die Aufnahme eines Gastkindes eine Umstellung für das Familienleben, aber genau das macht auch den Reiz aus: Man wird ein bisschen aus seinem Alltagstrott herausgerissen, unternimmt auf einmal Dinge, die man schon lange nicht mehr gemacht hat, schon lange machen wollte oder auch komplett neu sind und lernt Vieles durch eine andere Perspektive kennen. Es macht Spaß, Mia unsere Region zu zeigen und selber neu kennenzulernen, aber auch, einfach den Alltag mit jemanden aus einer anderen Kultur zu teilen und miteinander immer vertrauter zu werden.

Wagt es und meldet euch als Gastfamilie – es lohnt sich! 

Abenteuer Gastfamilie – immer gut betreut

Abenteuer Gastfamilie – immer gut betreut

Gastfamilienkampagne

Wie Austauschorganisationen Gastfamilien unterstützen

Ein Schüleraustausch ist ein prägendes Erlebnis für die Jugendlichen, aber auch für die Gastfamilien. Wer sich entscheidet, eine Austauschschülerin oder einen Austauschschüler aufzunehmen, übernimmt Verantwortung und öffnet sein Zuhause für eine neue Kultur. Neben spannenden neuen Erfahrungen bedeutet das aber auch Veränderungen. Damit diese gelingen, stehen Austauschorganisationen mit jahrzehntelanger Erfahrung den Gastfamilien mit Rat und Tat zur Seite. Wer also überlegt, einen Austauschschüler oder eine Austauschschülerin aufzunehmen, kann sich auf kompetente Hilfe verlassen. Hier zeigen wir am Beispiel der Austauschorganisation Open Door International (ODI), wie Gastfamilien unterstützt werden.

Gute Vorbereitung ist das A und O

Noch bevor das Gastkind anreist, bieten die Organisationen verschiedene Beratungs-, Informations- und Vorbereitungsangebote an. Viele stellen der Gastfamilie auch ein umfangreiches Handbuch zur Verfügung, in dem wichtige Themen wie Regeln, Anmeldung, Schule, Finanzielles, Krankenversicherung aber auch Punkte wie Heimweh, Social-Media-Nutzung oder Freundschaften thematisiert werden.

Bei ODI erhalten die Gastfamilien bereits vor dem Austausch eine persönliche Beratung zum Beispiel bei der Auswahl des Gastkindes. ODI übernimmt anschließend nicht nur die Abstimmung mit der Gastschule, sondern bereitet die Familien auch durch Informationsabende, Gespräche und Handbücher gezielt auf ihre Rolle vor. Dabei werden wichtige organisatorische Themen wie Visum, Versicherung und kulturelle Unterschiede gemeinsam besprochen.

Persönliche Betreuung vor Ort und Notfallmanagement

Die wohl wichtigste Unterstützung für Gastfamilien ist die persönliche Betreuung vor Ort. Neben den Geschäftsstellen, die immer ansprechbar sind, hat jede Gastfamilie eine ehrenamtliche Betreuungsperson vor Ort. Für dringende Notfälle außerhalb der Bürozeiten gibt es bei vielen Organisationen auch eine 24h Notruf-Telefonnummer.

ODI stellt den Familien während des Austausches eine feste Ansprechperson vor Ort zur Seite. Die lokalen Betreuerinnen und Betreuer begleiten den gesamten Aufenthalt, besuchen die Familien persönlich und stehen bei Fragen oder Herausforderungen unterstützend zur Verfügung.

Netzwerk & Gemeinschaft

Der Austausch der Gastfamilie untereinander ist ebenfalls eine wichtige Stütze. Viele haben ähnliche Erfahrungen gemacht, kennen die Probleme und können viele Anekdoten teilen. Die Organisationen fördern deshalb auch den Austausch unter Gastfamilien zum Beispiel in Form von regionalen Gastfamilientreffen, Online-Communities oder Stammtischen.

Auch ODI veranstaltet beispielsweise regelmäßig Austauschabende, bei denen sich Gastfamilien untereinander vernetzen und ihre Erfahrungen teilen können.

Fazit

Die Unterstützung durch die Austauschorganisation ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines Schüleraustausches. Denn das Abenteuer Gastfamilien endet nicht mit der Rückreise des Gastes. Gemeinsam mit der Austauschorganisation wird die gemeinsame Zeit reflektiert und Raum für Austausch und Feedback gegeben. Viele Familien bleiben dem Programm verbunden und nehmen später erneut Gastkinder auf. Denn wer einmal erlebt hat, wie wertvoll der Austausch mit einer anderen Kultur sein kann, öffnet seine Türe gerne ein weiteres Mal

Familie Müller – Gastfamilie aus München

Familie Müller – Gastfamilie aus München

Gastfamilien Gastfamilienkampagne

Familie Müller – das sind Kathrin, Achim und ihre beiden Töchter – lebt in München. Als ihre Tochter die Chance erhielt, ein Auslandsjahr zu machen, entschloss sich die Familie, selbst ein Gastkind aufzunehmen – als Zeichen der Wertschätzung und des Austauschs. „Wir freuten uns darauf, mehr über ein anderes Land und eine neue Kultur zu erfahren. Statt auf einen leeren Platz am Esstisch zu starren, haben wir uns in dieser Zeit unser eigenes Auslandsjahr nach Hause geholt“, sagt Gastmutter Kathrin. Bei einem Mal blieb es nicht: Inzwischen ist Familie Müller bereits zum dritten Mal Gastfamilie für YFU. Ihre bisherigen Gastkinder kamen aus Ungarn, der Türkei und Georgien.

Als Gastfamilie lernt man viel Neues und schafft eine enge Verbindung zu einer anderen Kultur. Kathrin erklärt es so: „Die Länder, aus denen unsere Gastkinder bisher kamen, sind uns dadurch vertrauter geworden. Wir haben die Möglichkeit, unser eigenes Leben zu reflektieren und neue Gerichte, neue Angewohnheiten, neue Perspektiven zu integrieren.“

Die Gasteltern waren beide selbst im Studium im Ausland – ein prägendes Erlebnis, das sie auch ihren Kindern ermöglichen wollten. „Wir finden es bereichernd nicht nur im Urlaub im Ausland zu sein, sondern eine Zeit in einer „fremden Welt“ zu leben, die dann zu einer Heimat wird“, führt Kathrin aus.

Für alle, die überlegen, selbst Gastfamilie zu werden, hat Familie Müller einen klaren Rat: Offenheit, klare Kommunikation und Kompromissbereitschaft sind entscheidend für ein gelingendes Miteinander.