Online-Veranstaltung zur AJA Gastfamilien-Kampagne: Austausch begeistert – und braucht mehr Sichtbarkeit
Im Rahmen der AJA-Gastfamilien-Kampagne „Offene Türen, offene Herzen – Austausch braucht Gastfamilien“ fand am 26. März die Online-Veranstaltung „Von null auf hundert: Rückblicke – Einblicke – Ausblicke“ statt. Rund 60 Teilnehmende – viele von ihnen ehemalige Austauschschüler*innen und aktive oder frühere Gastfamilien – nutzten die Gelegenheit, um Erfahrungen zu teilen und gemeinsam zu überlegen, wie man mehr Gastfamilien gewinnen kann.
Besonders lebendig wurde die Veranstaltung durch persönliche Einblicke aus Gastfamilien: So berichtete Taha aus der Türkei von seiner Zeit bei seiner Gastfamilie in Bayreuth und seiner Überraschung darüber, dass in Deutschland sogar an Weihnachten gewandert wird. Silja aus Finnland, die bei einer Familie in Berlin lebt, stellte mit einem Augenzwinkern fest, dass ihr die in Deutschland üblichen drei Mahlzeiten am Tag „viel zu wenig“ seien.
Auch politische Stimmen unterstrichen die Bedeutung internationaler Begegnungen. Bei der Panel-Diskussion „Empowerment: Gute Rahmenbedingungen für Gastfamilien – aber wie?“ betonte die Bundestagsabgeordnete Aydan Özoguz (SPD): „Austausch ist immer wieder eine Überraschungstüte – so, wie wir Menschen eben sind! Austausch ist etwas, das einen lebendig hält.“ Die bayerische Landtagsabgeordnete Kerstin Celina (Bündnis 90/Die Grünen) hob hervor, wie prägend ein längerer Aufenthalt im Ausland sei: „Man ist ganz anders mit dem Kopf vor Ort, wenn man für ein ganzes Jahr im Austausch bleibt.“ Gleichzeitig plädierte die selbst als Gastmutter engagierte Celina dafür, auch kürzere Aufnahmezeiträume bekannter zu machen, um mögliche Hemmschwellen bei potenziellen Gastfamilien abzubauen.
In der anschließenden Diskussion wurden zentrale Herausforderungen deutlich: Während die Suche nach Schulplätzen regional sehr unterschiedlich verläuft, stellt insbesondere der aufwändige Visumsprozess für Schüler*innen aus Nicht-EU-Ländern eine große Hürde dar. Hier sahen die Teilnehmenden klaren politischen Handlungsbedarf.
In Kleingruppen wurde außerdem die Frage diskutiert, wie das Thema Austausch sichtbarer gemacht und mehr Gastfamilien gewonnen werden können. Einige konkrete Ansätze:
- Vergabe einer Ehrenamtskarte auch für Gastfamilien
- Gewinnung weiterer kommunaler Politiker*innen als Botschafter*innen
- Transparente Kommunikation und umfassende Vorbereitung durch Austauschorganisationen
- Mehr Flexibilität bei der Aufenthaltsdauer – auch kürzere Aufenthalte ermöglichen
- Vereinfachung der Visaverfahren
- Stärkeres Storytelling mit positiven Erfahrungsberichten
- Ansprache neuer Zielgruppen – etwa Gastväter, Alleinerziehende oder queere Paare
- Intensivere Nutzung lokaler Medien und Netzwerke, z. B. Sportvereine
Einigkeit bestand darüber, dass Gastfamilien selbst die wichtigsten Botschafter*innen sind. Ihre persönlichen Geschichten und Erfahrungen tragen entscheidend dazu bei, Ängste abzubauen und neue Familien für den interkulturellen Austausch zu begeistern.
Seit Juni 2025 läuft die AJA-Gastfamilien-Kampagne. Aktuell engagieren sich bereits 103 Botschafter*innen, um das wichtige Ehrenamt als Gastfamilie sichtbarer zu machen – weitere Abgeordnete und kommunal Verantwortliche sind jederzeit ausdrücklich willkommen!
Gastfamilienkampagne